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Sanierung Rathaus – Warum nicht als Rohbau vermarkten?

19.11.2012 | Kategorie(n): Allgemein

Gerd Schreiner: „Warum nicht als Rohbau vermarkten?“

Allgemeine Zeitung Mainz vom 16.11.2012 – Bericht von Monika Nellessen

Der CDU-Landtagsabgeordnete und Architekt Gerd Schreiner fordert eine Bürgerbeteiligung zum Rathaus. Dabei plädiert er dafür, auch eine dauerhafte Anmietung anderer Büroräume für die Stadtverwaltung zu prüfen. In diesem Falle würde die Liegenschaft frei und könne teilweise oder sogar komplett fremdgenutzt werden.

Bei der Klausur der CDU-Ratsfraktion an diesem Freitag will Ratsmitglied Schreiner seine Einschätzung vorstellen. Auf AZ-Anfrage meinte er, die Machbarkeitsstudie bestätige seine Ansicht, dass es sowohl schwere Entwurfs- als auch Baumängel gebe: Entwurfsmängel seien zum Beispiel die „katastrophale Wegeführung“ und die nutzlosen Außengitter. Zu den Baumängeln gehörten das undichte Fundament, die unzureichend gedämmte Fassade, die bröselnden Steinplatten und die Klimatechnik.

Schreiner wirft den Machern der Studie vor, die Summen zur Behebung der Mängel ungenau anzugeben oder zu verschleiern. So seien in der „Basisvariante“ wichtige Neuerungen wie öffenbare Fenster herausgerechnet worden, um die Gesamtsumme zu drücken. Ähnliches gelte für die „teurere“ Variante nach den Plänen von Dissing & Weitling, wo die Ausgaben für die „Klimahülle“ (Glasdach) mit 1,5 Millionen Euro auffällig niedrig ausfielen. An anderer Stelle sei von einer Verlegung des Casinos ins Erdgeschoss (Ortsverwaltung Altstadt) mit Außenbewirtschaftung die Rede. Für die küchentechnische Anlage würden 200 000 Euro genannt, die Summe sei ebenfalls nicht eingestellt.

Wer realistisch sei, müsse für eine umfassende Sanierung inklusive Umzug rund 80 Millionen Euro veranschlagen. Falls saniert werde, komme aber nur diese Variante in Betracht, da die Basis-Version zentrale Mängel des Entwurfs von Arne Jacobsen nicht ausmerze. Als Beispiel nennt Schreiner die schlechte Raumnutzung: So gebe es 7700 Quadratmeter Bürofläche, zugleich brauche man satte 3800 Quadratmeter Flure, um die Büros zu erschließen, weitere 2400 Quadratmeter seien nutzlose „Restfläche“. Der Vorschlag der umfassenden Sanierung von Dissing & Weitling behebe diese Fehlplanung durch „Team Offices“, also Großraumbüros, die durch separate Zugänge theoretisch sogar an unabhängige Bürogemeinschaften vermietet werden könnten. Allerdings kalkuliere der Entwurf wiederum zusätzliche Kosten für Großraumbüros wie Schallschutz nicht ein.

Schreiner: „Solange es so viele Ungenauigkeiten und Unwägbarkeiten gibt, kann ich meiner Fraktion nicht empfehlen, einem Grundsatzbeschluss zur Sanierung zuzustimmen.“ Empfehlenswert sei höchstens eine unabhängige Detailprüfung verschiedener Ausbauvarianten. Dazu gehöre auch, mit dem Denkmalschutz über Kostenträchtiges wie die Natursteinfassade zu verhandeln. „Warum kann es nicht einfach nur ein farblich passendes Wärmedämmverbundsystem sein?“ Zurückhaltend äußerte sich Schreiner über einen grundlegenden Neubau: Dies sei schwierig, da Rathaus und Tiefgarage verbunden seien. Machbar aber sei ein Rückbau des Rathauses bis auf ein Stahlbetonskelett. Dieser „Rohbau“ sei gewiss zu vermarkten, eventuell für ein Kongresshotel, spekuliert der Christdemokrat. Dann sei es das Wirtschaftlichste für die Stadt, den „Fuchsbau“ aufzugeben und dauerhaft Büroräume für rund 1,6 Millionen Euro pro Jahr anzumieten. Den Ratssaal könne die Kommune ja behalten oder für ihre Sitzungen zurückmieten.

Aber auch wenn das Rathaus am angestammten Platz bleibe, gebe es die Möglichkeit, eine teilweise Fremdnutzung zu prüfen: Wo jetzt im Souterrain die Botenmeisterei mit bestem Rheinblick untergebracht ist, könne er sich „sehr gut einen bewirtschafteten Ratskeller mit Außenterrasse vorstellen.“ Falsch sei es, bestimmte Varianten wegen der städtebaulichen Bedeutung des Arne-Jacobsen-Baues von vornherein auszuschließen. Schreiner: „Wenn man pleite ist und im Sommer die Brunnen abstellt, muss man den vielzitierten Bürgerstolz an der Garderobe abgeben.“

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